Was ist Forumtheater?

Filmtipp: SRF Schweizer Fernsehen – Kulturplatz 13.4.2017 – ‘Kunst und Krisen – und was wir daraus lernen können’ (Forumtheater vorgestellt ab Min. 20:25)

http://www.srf.ch/play/tv/kulturplatz/video/kunst-und-krisen—und-was-wir-daraus-lernen-koennen?id=8ddc6b11-a388-48e3-a961-d5c8cd30c5e0

Forumtheater bietet die Möglichkeit, auf spielerische Art und Weise Konflikte ( z.B. Mobbing, Gewalt etc.), die den (privaten, schulischen oder beruflichen) Alltag von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen betreffen, aufzugreifen.

Es ist eine Form des interaktiven Theaters, das zum Ziel hat, Theater für alle erreichbar zu machen – als Mittel des Dialogs und um die soziale Realität zu verändern. 

Forumtheater ist eine Technik, bei der die inszenierten Stücke auf persönlichen Situationen und Erfahrungen der Schauspieler/-innen basieren. Von ihnen wird eine Frage bezüglich einer aktuellen Problemstellung an die Zuschauer gestellt. Die Figuren – der „Unterdrückte“ und der „Unterdrücker“ – treten in Konflikt und verteidigen in einer klaren und objektiven Art und Weise ihre Wünsche und Interessen. In dieser Konfrontation wird der Unterdrückte geschwächt.
In einer zweiten Phase wird das Publikum durch den/die Moderator/-in eingeladen, in Szene zu treten, den Unterdrückten zu ersetzen und handelnd (improvisierend) nach Alternativen und Lösungen zu der aufgeführten Problemstellung zu suchen.

Die Zuschauenden greifen also aktiv in die Szene ein, improvisieren in der Rolle der unterdrückten Person mit den Schauspieler/-innen auf der Bühne und zeigen, wie in der entsprechenden Konfliktsituation anders reagiert werden könnte.

Unter Mitwirkung der Zuschauenden entsteht ein “neues” Theaterstück, welches mit Phantasie und Kreativität Lösungswege sichtbar werden lässt. Dabei geht es nicht darum, die richtige Lösung zu finden, sondern in den Köpfen der Zuschauenden und Schauspieler/-innen die Erkenntnis wachsen zu lassen, dass es meist verschiedene Wege gibt, mit Konflikten umzugehen. 

Forumtheater wurde in den 60er Jahren vom Brasilianer Augusto Boal als politisches Theater entwickelt. Es enthält dasselbe Fundament wie die Pädagogik der Unterdrückten von Paulo Freire und wird heute in mehr als 70 Ländern angewendet.

Intervention 3Foto © Johannes Dietschi